ndeSRB
Von Sarah Geißler | 10.05.2010
ndeSRB? Was soll das denn heißen? Diese Kombination kann man im Buchstabenmuseum Berlin lesen, so zufällig stehen die Lettern dort beieinander. Das Museum für ausgediente Schriftzüge und Buchstaben ist vorerst nur ein Schaudepot und deswegen noch etwas unaufgeräumt.
Direkt vor dem Schaudepot des Buchstabenmuseums in der Leipziger Straße ist eine große Baustelle. Die Fensterscheiben sind staubig und grau vom Bauschmutz. Umso bunter ist es drinnen. Grüne, rote, gelbe, blaue, silberne, weiße, schwarze Buchstaben stapeln sich in zwei Räumen. Übereinander, nebeneinander, liegend, stehend, an die Wand gelehnt, 30 cm klein oder 2,60 Meter groß, geschwungen oder in klarer, gerader Schrift, im Schaudepot herrscht ein wahrer Buchstabensalat.
Anja Schulze und Barbara Dechant haben 2005 den Buchstabenmuseum e.V. gegründet. Ziel des Buchstabenmuseums ist die Bewahrung und Dokumentation von Buchstaben und Zeichen unabhängig von Kultur, Sprache und Schriftsystem. Wann aus dem Schaudepot ein Museum wird, kann Anja Schulze noch nicht sagen. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein und somit von Unterstützung abhängig. Es ist eine Frage der Finanzierung oder der Partner und Sponsoren, die uns große Räume zu Verfügung stellen“.
Aus Liebe zum ABC
Barbara Dechant ist Kommunikationsdesignerin und hatte schon immer ein Faible für Buchstaben. „Ich habe mich davon ein bisschen anstecken lassen“, erzählt Anja Schulze, die im kulturellen Bereich arbeitet. Seit etwa einem Jahr haben sie die Räume in der Leipziger Straße gemietet. Davor lagerten die Buchstaben bei ihnen zu Hause im Wohnzimmer, auf der Terrasse, im Keller. „Als die Buchstaben größer wurden, haben wir uns überlegt, ob wir das Projekt ernsthaft weiter machen. Wir haben uns dafür entschieden und können mit der Vereinsgründung auch Anfragen offizieller stellen“.
Für Nachschub an neuen alten Buchstaben ist gesorgt. Die zwei Frauen gehen mit offenen Augen durch die Stadt und achten auf Baumaßnahmen oder Geschäftsschließungen. Zudem bekommen sie Tipps von Menschen, die das Buchstabenmuseum bereits kennen und unterstützen wollen. Auch Firmen, welche die Schriftzüge herstellen und austauschen, melden sich. „Da haben wir eine ganz große Fangemeinde, die uns immer informiert, wenn sie wieder ein schönes Stück haben“, sagt Anja Schulze.
400 Einzelbuchstaben und 30 bis 40 Schriftzüge haben sie so bisher gesammelt. Darunter gibt es einige Rekorde. Die größten Lettern sind DTW von den Deutschen Telefonwerken mit 2,60 Metern Höhe. Ein einzelner Buchstabe vom Ebbinghaus-Schriftzug wiegt mit Gestell und Trafo 100 Kilogramm. Die älteste Leuchtreklame Lederwaren ist von 1947. „Wir haben sogar noch den Originalbeleg, der hat mal 650 Reichsmark gekostet“, sagt Anja Schulze.
Zeichen der Zeit
Die Buchstaben sind auch ein Zeitdokument. Der Stil ändert sich, ebenso die Beleuchtungstechnik. Verwendete man früher Gasröhren, so werden heute Leuchtröhren oder LEDs eingesetzt. Die Zeit hinterlässt auch andere Spuren. Wind und Wetter haben zugeschlagen und gerade das macht den Charme der Buchstaben aus. Man sieht, dass manche von ihnen viele Jahre ihren Dienst getan haben, bevor sie im Buchstabenmuseum ein neues zu Hause fanden.
Diesen besonderen Charakter wollen die Buchstabenliebhaberinnen auch im Museum bewahren. „Sicher müssen wir einige restaurieren, aber Ziel ist es, die Patina und den Ist-Zustand zu erhalten“, sagt Anja Schulze. Geplant ist, dass einige Schriftzüge wieder beleuchtet werden. In dem Museum sollen die Besucher zu jedem Objekt die technischen Eckdaten und die Geschichte lesen können.
„Jeder Buchstabe hat irgendwie eine Story dahinter. Entweder von der Person, von der wir ihn bekommen haben oder weil es geschichtlich so ein tolles Objekt ist“, erklärt Anja Schulze. Zum Beispiel diese Geschichte: Der Hertie-Schriftzug wurde im August 2009, nach der Schließung der letzten Filialen, von wütenden Beschäftigten in der Spree versenkt. An Ketten wurde das Unternehmen symbolisch zu Wasser gelassen. Die Buchstabensammlerinnen konnten den Schriftzug vor dem völligen Untergang retten. Jetzt steht dieser noch mit den Ketten und Löchern, aus denen das Wasser heraus gelassen wurde, im Schaudepot.
Die Sammlung ist noch nicht vollständig
Fast alle Zeichen waren Schenkung. Nur die Zierfische vom Frankfurter Tor musste der Verein kaufen und rief deshalb zu Spenden auf. „Wir wollten den Schriftzug unbedingt zusammenhängend erhalten, da er sehr stadtbildprägend ist“, sagt Anja Schulze. Jetzt kann man den gelben und den blauen Fisch im Buchstabenmuseum sehen.
Auf der Wunschliste der Frauen stehen noch einige Objekte: Ein Mitropa-Schriftzug, ein Apotheken-A und ein S von der S-Bahn. „Da gibt es aber ganz viele, die wir gerne aufnehmen und denen wir ein warmes zu Hause bieten wollen“, sagt Anja Schulze.
16.07.2010:
Das Buchstabenmuseum ist umgezogen!
Neue Adresse:
Karl-Liebknecht-Str. 13
10178 Berlin - Mitte
Berlin Carré, 1. OG
Wiedereröffnung: 17. Juli 2010, 13 - 15 Uhr
Öffnungszeiten: Do - Sa von 13 - 15 Uhr
Eintritt: 2,50 Euro







